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Dieser Abschnitt handelt von der „gruenen Hoelle", welche wir vielmehr als himmlisch empfanden, von Nachtaeffchen, welche in Oliviers Kameratasche ein Nickerchen hielten, von kleinen Taranteln vor unserem Zimmer, Bruellaffen als Weckdienst, Kanufahrten gegen den Strom, barbusigen Indianerinnen sowie giftigen Schlangen und Froeschen; ausserdem noch von der Jagdtechnik der Jaguas Indianer, und wie ein Relikt jener in unser Wohnzimmer gelangen wird.
„Irgendwo regnet es immer in Amazonien"; das haben wir bereits vor Reiseantritt gehoert und gelesen. Aber was soll's, Amazonien ist bekanntlich gross und so kann es also immer gerade dort regnen, wo wir uns NICHT aufhalten! Statistisch also kein Grund, um auf das Abenteuer gruene Hoelle zu verzichten!
Ausserdem haben wir uns schliesslich schau gemacht, das soll ja nun auch nicht vergebens gewesen sein... Natuerlich lassen wir Euch -wie immer- Anteil an unserem neuen Wissen haben: Ueber 1'000 Nebenfluesse speisen den Amazonas - das gewaltigste Gewaessernetz der Erde. Rund 180'000 Kubikmeter Wasser ergiessen sich pro Sekunde in den Atlantik. Das ist mehr als von den sechs naechst kleineren Fluessen (Kongo, Niger, Sambesi, Jangtsekiang, Brahmaputra und Orinoko) zusammen ins grosse weite Meer fliesst! Und doch ist diese imense Menge gerade mal ein Viertel dessen, was das Flusssystem Amazonas tatsaechlich an Wasser aufzubieten hat. Der Rest verdunstet, wird von Baumstaemmen hochgepumpt oder von Blaettern ausgeschwitzt, kondensiert zu Wolken, regnet ab und laesst so einen pulsierenden Kreislauf von vorn beginnen.
Die Naturgeschichte des Amazonas liest sich spannender als ein John Grisham: Es gab eine Zeit, da floss er nicht nach Osten, sondern nach Westen. Der Lauf des gewaltigen Stroms hatte sich vor Millionen Jahren umgekehrt! Einst muendete ein noch ungleich laengerer Ur-Amazonas in den Pazifik und seine Quellen lagen weit im Osten in der heutigen Sahara auf einem damals gemeinsamen Urkontinenten Suedamerika-Afrika. Das Flussbecken des Nigers in Westafrika und jenes des Amazonas bildeten vor etwa 130 Millionen Jahren einen gemeinsamen Graben! Dann zerbrach der alte Riesenkontinent. Die nach Westen abdriftende suedamerikanische Kontinentalplatte kollidierte allmaehlich mit der Pazifikplatte. Dieser Zusammenprall liess die Anden emporwachsen und diese wiederum blockierten schliesslich die Muendung des Amazonas. Der Wasserspiegel des gestauten Flusses hob sich unaufhaltsam, bis dessen Verlauf sich schliesslich umkehrte und er sich in den fernen Atlantik entwaesserte.
So, nun aber genug der Georaphie- und Geschichtsfakten. Weitab jeder Grossstadt (eigentlich auch jeder Kleinstadt...) machen wir in Iquitos, im peruanischen Dschungel, das erste Mal Bekanntschaft mit der Mutter aller Fluesse: dem Amazonas. An Claudias Geburtstag startet das Abenteuer Dschungel und soll immerhin fuenf volle Tage dauern. Wir koennen es kaum erwarten! Seit den Fidschi Inseln waren wir nie mehr fuer diesen Zeitraum abgeschnitten von jeglicher Zivilisation ohne Strom und warmes Wasser... es ist also wieder hoechste Zeit fuer Natur pur!
Wir ersparen uns die extrem weite Busfahrt nach Iquitos und nehmen stattdessen den rund zwei stuendigen Flug von Lima aus. In Iquitos - der Dschungelstadt - angekommen, werden wir von unserem Guide fuer die naechsten fuenf Tage, Alejandro, in Empfang genommen. Bis die weiteren vier Touris eintreffen, und wir alle per Boot zu unserem Dschungel-Camp fahren, zeigt er uns erstmal seinen Geburtsort. Iquitos erreichte durch den Kautschuk einen relativ grossen Wohlstand, welcher sich in den Wohnhausern der alten Gummi-Barone widerspiegelt.
Bereits auf dem Weg zu unserem Camp erleben wir eine Seite des Amazonas: die schwimmende Siedlung von Belem, welche uns sehr fasziniert. Da der Wasserspiegel saisonal bedingt relativ tief ist, muessen unser Guide und der Steuermann ab und zu durchs Wasser waten, um unser Boot fortzubewegen. Wir bleiben alle angespannt im Boot sitzen, denn fuer uns ist es das erste Mal in einer Pyrannia-Region... Als wir das Camp erblicken, sind wir echt platt. Mit diesem Luxus haetten wir ja echt nicht gerechnet! Wir haben eine grosse Cabaña (Strohhuette) fuer uns alleine, welche sogar ueber ein richtiges Badezimmer mit eigener Dusche und Toilette verfuegt. GENIAL! Selbstverstaendlich haben wir uns mit Moskitospray und sonstigen Anti-Muecken-Mittelchen eingedeckt, trotzdem sind wir happy, als wir das loecherlose (!), kleinmaschige Moskitonetz erblicken!
Nach einem vorzueglichen Lunch in Buffet-Form machen wir uns bereit fuer das erste Highlight. Die Begegnung mit „halbwilden" Tieren. Diese wurden naemlich von einem Indianer gefangen, welcher sie stets nach ca. vier Monaten wieder in den Dschungel zurueckbringt. In der Zwischenzeit haelt er sie frei bei seiner Huette. So machen wir hautnahe Bekanntschaft mit Nachtaffen, Faultieren und diversen Affenarten sowie Aras und Anacondas. Die Anaconda waere definitiv zu lang fuer einen Guertel und zu schwer fuer eine Handtasche - die Damen Leserinnen sollen also bloss nicht auf falsche Gedanken kommen! A propos Taschen: Ein kleines suessen Nachtaeffchen, allem Anschein nach noch ein Baby, macht es sich bequem in Oliviers Fototasche (siehe Fotos) und will da gar nicht mehr raus!
Ach ja, und wie schon erwaehnt: irgendwo in Amazonien regnet es immer. Fuer ca. fuenf Minuten heute sogar haargenau dort, wo wir auch sind...wie war das noch? Regen macht schoen?!? Also macht Euch schon mal auf etwas gefasst *smile*. In den folgenden vier Tagen machen wir den Regenwald unsicher, wandern auf Sumpfpfaden an Baumriesen vorbei, erspaehen praehistorische Voegel, Papageien, Tucane, allerlei Kreucher und Fleucher und natuerlich giftige Schlangen. Eine ist so klein, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass sie mit Ihren winzigen Giftzaehnchen etwas ernstes anrichten kann, und die andere ist giftgruen und daher gut getarnt im Dschungel. Irgendwie nahmen wir darum an, dass auch diese nicht sehr gefaehrlich sei. Alejandro ist jedoch sprachlos, als wir ihm das Foto zeigen und fragen, ob diese denn nun giftig sei. Er will vorallem wissen, wo wir sie gesehen haben und scheint gar nicht begeistert, dass dies gerade beim Camp war... Anscheinend gehoert dieses gruene Etwas zu den giftigsten seiner Art.
Direkt vor unserem Zimmer nisteten uebrigens zwei kleine Taranteln und ausserdem hatte Claudia einen gruenen kleinen Gift-Frosch am Ruecken. Ach ja, Pirranhas haben wir auch noch gefischt! Groesse gefaehrliche Tiere haben wir eigentlich keine gesehen - beruhigend, nicht?!? Das wohl groesste Tier des Dschungles haben wir zwar nicht gesehen, dafuer aber unabsichtlich verspiesen. Naja, viel war's ja nicht, denn wir waren uebereinstimmend der Meinung, schon lange nicht mehr so ein graessliches Schwein gegessen zu haben. Tja, war ja auch Tapir...
Ein tolles Erlebnis war der Besuch bei den Jaguas Indianern, welche noch heute im peruanischen Amazonasgebiet leben. Die Maenner tragen noch wie seinerzeit Bastroecke, wobei die Frauen barbusig unterwegs sind. Wir machten Bekanntschaft mit dem Stammesfuehrer und seiner gefaehrlichsten Jagdwaffe: dem Blasrohr (siehe Fotos). Natuerlich musste Olivier auch so eins haben (es haben uebrigens alle Maenner eins gekauft), wobei er aber auf Papageienfedern- und Guerteltier-Accessoires verzichtete - im Gegensatz zu vielen anderen Touris.
Das absolute Hightlight unseres Dschungelaufenhaltes war aber der Besuch auf der Isla de Monos - der Affeninsel. Dort versuchen etliche Wissenschaftler fuenf verschiedene vom Aussterben bedrohte Affenarten zu retten. Bei den meisten Arten scheint dies auch Fruechte zu tragen, ausser bei Ingles - einem rotgesichtigen kahlkoepfigen Affen, welcher der Englaender genannt wird und dort der letzte seiner Art ist. Wir geniessen die Zeit auf dieser Insel, wo die Affen zwar absolut frei sind, aber durch die Wissenschaftler etwas an die Gegenwart von Menschen gewoehnt sind. Sie sind verspielt wie Kinder und ein Baby will uns gar nicht mehr gehen lassen... suess!!!
Meist sind wir im Dschungel zu Fuss unterwegs, doch um auf Inseln oder andere abgelegene Gegenden zu gelangen, ist stets das Kanu gefragt. Generell ein sehr leichtes Unterfangen (vorallem da ja Alejandro rudert...)! Als wir aber eine Schnapsbrennerei besucht haben und nun noch zur Zuckerrohrplantage wollen, kommt er echt an seine Grenzen. Olivier hilft mit einem gefunden Mini-Ruder, welches ein kleines Maedchen kurz vorher verloren hatte, tatkraeftig mit und so erreichen wir die Huette und werden mit frischem Saft belohnt. Als wir alle Kinder mit Bonbons beschenkt haben, wundern wir uns, warum ein Junge sein Zaeltli halbiert und einen Teil einem alten Herrn gibt. Tja, auch grosse Kinder moegen Suesses - und so schenken wir unseren ganzen Vorrat dem Familienoberhaupt, der ihn dann gerecht verteilt. Als wir zurueckkehren wollen, ist Oliviers Mini-Ruder - welches er schon als Souvenir mitnehmen wollte - bereits nicht mehr auffindbar und wohl wieder zu seiner rechtmaessigen Besitzerin, welche nur kurz vor uns aufbrach, zurueckgekehrt. Umso besser, wir haben ja schliesslich bereits ein Blasrohr im Gepaeck!
Die Zeit fernab jeder Zivilisation verging mal wieder viel zu schnell, geduscht haben wir kalt (nicht mal fuer Claudia ein Problem bei dieser Hitze), unser Mueckenmittel haben wir fast aufgebraucht - Stiche haben wir aber in Australien mehr kassiert - geweckt wurden wir immer von Bruellaffen, was das laestige Klingeln eines jeden Weckers bei weitem uebertrifft, gelesen haben wir mit Oellaempchen und geschlafen haben wir alle beide herrlich. Der Beschluss steht; in Bolivien muss es noch mal Dschungel sein!
Wie wir uns zurueck in der Zivilisation fuehlen und was wir als naechstes erleben seht ihr im folgende Abschnitt.
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