Potosí, Bolivia
19° 35' S 65° 45' W
Aug 30, 2008 19:24
Distance 1811km

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Text written in: German

"The Devils Miners"

Nun sind wir in einem Dritte-Welt-Land. Das kuedigte sich gleich schon an der Grenze an. Von Buenos Aires waren wir noch mit einem recht luxurioesen Bus gefahren. Waehrend der 27 stuednigen fahrt, ging es erst durch die das aregtninische Flachland, was wirklich ungefaher so ist, wie man sich Argentinien vorstellt (jedenfalls habe ich das immer  getan): weit, flach und leer; ab und zu Haueser und Kuehe. Nicht umsonst heisst eine Region im Flachland "La Pampa". Spaeter gings dann hoch in die Anden, die hier nicht so hoch und schneebedeckt wie zwischen Chile und Argentinien sind, aber trotzdem einen schoenen Anblick boten.

Ueber die Grenze sind wir dann gelaufen und haben in dem Staedtchen auf der anderen Seite dann einen Bus nach Potosi genommen. Dieser war aber alles andere als komfortabel und die Strasse war es auch nicht. Dafuer kostete uns die 11 Stunden Busfahrt nur 3 Euro pro Person. Leider hatten wir Plaetze ziemlich weit hinten im Bus ueber der Radachse und wir sind wirklich massiv durchgeschuettelt worden. Aber nach kurzer Zeit hatten wir uns dran gewoehnt, schlecht geworden ist uns auch nicht und wir konnten sogar den Blick auf den fantastischen Sternenhimmel ueber den Anden geniessen. Spaeter mussten wir uns dann unter Lisas Schlafsack kuscheln, denn der Bus hatte natuerlich auch keine Heizung und hier oben in den Bergen ist es Nachts ziemlich kalt. Ausser Sternen, die dunklen Silhouetten der Berge und das bisschen wom Strassenrand, dass die Scheinwerfer des Busses anleuchteten. Irgendwann sind wir dann auch tatsaechlich beide eingeschlafen und erst wieder frueh morgens aufgewacht als wir in Potosi ankamen.

Warum wir nach Potosi wollten? Potosi war die Silberhauptsatdt des spanischen Kolonialreiches. Denn sie ist am Fusse des "Ceroo Rico" erbaut und in diesem befand sich damals pures Silber in Massen. So wurde Potosi im 17 Jahrhundert zu einer der reichsten Staedte der Welt und war damals mit 300.000 EinwohnerInnen groesser als London und Paris; New York war noch gar nicht gegruendet. Natuerlich beschraenkte sich der Reichtum auf einige wenige MinenbesitzerInnen, die Arbeit wurde von versklavten Indigenas geleistet, die meist nach 10 Jahren Arbeit in den Minen, an den folgen starben. Mit dem Silber bezahlten die spanische Krone ihre Schulden bei den Fuggern und anderen Handelsfamilien aus Mitteleuropa und so entstand das Grundkapital, dass das Entstehen des Kapitalismus erst ermoeglichte. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch ein ander Mal erzaehle.

Jedenfalls verlor Potosi an Bedeutung, Reichtumg und EinwohnerInnenzahl nachdem die Silberminen versiegt waren. Nicht desto trotz findet hier heute noch Bergbau statt, denn im "Cerro Rico" befinden sich noch Silber-, Blei- und Zink-Erze, die durch aufwendige chemische Verfahren aus dem gestein gekoest werden koennen. Aber dies ist ein bei weitem nicht mehr so eintraegliches Geschaeft. Auch heute sind es noch zum groessten Teil Indigenas, die unter nach wie vor unmenschlichen Bedingungen in den Minenarbeiten. Allerdings nicht mehr als Sklaven sondern als "Selbststaendige", durch die in Bolivien allgegenwaertige Armut gezwungen diese Arbeit zu machen, um irgendwie sich selbst und ihre Familien zu ernaehren.

Atemmasken sind ein Luxus, den sich die meisten nicht leisten koennen, genauso wenig elektrische Presslufthaemmer oder Wagons mit Motor. So wird das einatmen des Stauebs durch ein Tuch vor dem Mund versucht zu verhindern. Das Gestein wird mit Hilfe von Dynamit aus den WAenden gesprengt und fann mit Schauffeln ind Saecke oder Wagons geschippt, die dann mit eigener Kraft an die Oberflaeche befoerdert werden muessen. So liegt die Lebensdauer der Minenearbeiter bei 50. Viele sterben an Lungenkrankheiten.

Zufaellig hatten wir vor einiger Zeit den sehr guten Dokumentarfilm "The Devils Min er" gesehen, dessen Hauptprotagonisten zwei Jungen waren, die hier in Minen gearbeitet haben. Nun haben wir gestern hier in Potosi selbst eine der Minen besucht. Natuerlich nicht allein, sondern mit einer organisierten Tour. Das gab uns einen kleinen Einblick, wie menschenunwuerdig die Arbeit in den verstaubten, teilweise bis 45 Grad heissen engen Stollen ist. Wir waren alle schon nach drei Stunden Gehen und Krabbeln durch die Minen sehr erschiepft, haben trotz der Tuecher vor dem Mund gehustet und hatten Staub in in jeder Pore unseres Koerpers.

Wir koennen uns nur damit troesten, dass ein Teil unseres Geldes an die Tourveranstalter, die selber Ex-Mineros sind, an eine Art Krankenversicherung fuer die Mineros geht. Ausserdem hatten wir Geschenke (Kokablaetter, Getraenke und Dynamit) fuer die Maenner, die wir unter Tage getroffen haben und denen wir beim Arbeiten zugeschaut haben. dabei.

Jetzt werden wir uns noch ein gutes Essen goennen, das es hier vegetarisch und presiwert gibt, bevor wir heute Abend wieder einen Bus betreten, um runtern von den Bergen in den Dschungel zu fahren. DAs wird ungefaehr 30 Stunden dauern und dann sind wir vielleicht auch erstmal fuer ein paar Tage auf Dschungel-Tour, also erwartet nicht sobald wieder einen Eintrag von uns.

Hoffentlich gehts euch allen gut Zuhause!

Wir gruessen euch ganz lieb.

Lisa & Mo

Photos / videos of ""The Devils Miners"":

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