Bodh Gaya, India
24° 42' N 84° 58' E
Dec 04, 2007 13:14
Distance 0km

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Immer noch Bodh Gaya

Text written in: German

Bin zwar nun mittlerweile auch schon wieder ein paar Tage in Varanasi, aber ich will ja Bodh Gaya, also ausserhalb des Centres nicht auslassen. Hatte eine schoene Zeit dort. Da ja fast alle aus dem Centre noch ein paar Tage dort verbracht haben, waren wir fast wie eine kleine Familie. Haben uns zum Fruehstueck, Mittag und Abend getroffen. Bodh Gaya ist wohl eher ein Dorf als eine Stadt. Nicht wirklich schoen, aber es gibt viele sehenswerte Tempel aus den verschiedensten Laendern der Welt. Ausserdem steht hier der Baum, unter dem Buddha meditiert hat und Erleuchtung fand. Also fuer Buddhisten ein sehr wichtiger Ort. Im Dezember kommt der Dalai Lama hierher und verbringt hier den Winter. Da Bodh Gaya nur eine Hauptstrasse hat und viele Touristen hierher kommen, ist die ganze Hauptstrasse mit Bettlern versehen. Das ist verdammt anstrengend. Zumal man als weisse Frau von Kindern als Geldmaschine betrachtet wird und jeder Rikshawfahrer ein Geschaeft wittert. Einmal war ich von einer Traube von ca. 6-8 Jungen umringt, die mich ein ganzes Stueck verfolgt haben und nach Geld gebettelt haben. Da ich nichts gegeben habe, haben sie dann irgendwann angefangen, mich zu beschimpfen. "Fuck you", "Fuck your mother" und so weiter. Und sie haben mich so ein ganzes Stueck durch den Ort begleitet. War ein verdammt komisches Gefuehl. Am naechsten Tag habe ich 2 von ihnen wieder getroffen und sie waren wieder super nett zu mir. Inder leben im Hier und Jetzt und was Gestern war, zaehlt nicht mehr. Habe ich nun also auch schon kennengelernt. Ansonsten habe ich in Bodh Gaya oft unter dem Bodhibaum, unter dem ja auch schon Buddha meditiert hat, gesessen und darauf gewartet, dass mir ein Blatt vor die Fuesse faellt. War dabei nicht die Einzige. Hat aber auch leider nicht geklappt. Tut mir leid, Alex. Am letzten Tag bin ich dann noch mit 2 Bekannten zu einer Hoehle gefahren, in der Buddha vorher lange meditiert hat. War ein schoener Ausflug durch viele kleine Doerfer. Die Hoehle liegt ungefaehr in der Mitte des Berges und wie nicht anders zu erwarten, sassen auch hier viele viele Bettler auf dem Weg dorthin. Am Anfang des Weges steht ein Inder, der 100 Rupien in Kleingeld wechselt, damit man dieses an die Bettler verteilen kann. In den bereits vorbereiteten Paeckchen befinden sich dann so ca. 50 Rupien. ;0) Ein Bekannte hat dies getan und dann dem ersten Bettler ein Geldstueck gegeben. Ploetzlich sind alle Anderen aufgesprungen, haben sich um sie herum verteilt und untereinander gekaempft um auch etwas abzubekommen. Der selbe freundliche Herr, der vorher das Geld getauscht hat, erschien dann mit einem grossen Schlagstock und schlug auf die Menschen ein, um sie zu vertreiben.... Es ist irgendwie jedes mal schwer, nein zu sagen, wenn eine Mutter mit einem Baby im Arm um Essen oder Geld bettelt oder ein verkueppeltes Kind danach fragt. Komme mir eigentlich jedes Mal schaebig vor, wenn ich nichts gebe. Aber von solchen Erlebnissen zu hoeren, hilft. Ausserdem habe ich erfahren, dass Babys zum Betteln vermietet werden. Und Kinder kommen gesund auf die Welt und werden dann von ihren Eltern zu Krueppeln gemacht. Ueberhaupt gehen viele Inder sehr rauh mit ihren Kindern um. Habe schon viele viele gesehen, die ihren (auch Kleinst-) Kinder schlagen. In Varanasi gibt es einen Verein, der eine Schule fuer Strassenkinder ins Leben gerufen hat. Der Leiter hier vor Ort hat mir erzaehlt, dass es sehr schwer ist, die Kinder dorthin zu bekommen, da ihre Eltern sie lieber zum Betteln los schicken. Wieder ein Grund mehr, nichts zu geben. Aber ihr glaubt garnicht, wie hartnaeckig und geschaeftstuechtig die Kleinen schon sind.

Zurueck zu meiner Besichtigung der Hoehle. Habe also kein Geld gegeben und bin dann noch mit einem Australier zusammen den Berg nach ganz oben gekraxelt. FREIHEIT!!!!! Und als wir da beide so standen und die Ruhe genossen haben, erschien aus dem Nichts ein ca. 10 jaehriger Inder und spielte uns ganz stolz auf seinem alten Radio indische Musik vor. :0)

Habe Bodh Gaya gegen 04.00 Uhr mit einer Schottin zusammen verlassen. Wir sind mit einer Autorikshaw ins 30 km entfernte Gaya gefahren. Der Rikshawfahrer brauchte wohl offensichtlich Benzin und ich war sehr erstaunt, als er um diese Uhrzeit eine Tankstelle anfuhr. 24 Stunden Service in Indien??? Aber klar, funktioniert ganz einfach - man weckt den Tankstelleninhaber, der sowieso dort schlaeft...

Die Zugfahrt hat 5 Stunden gedauert. Habe das Schlafabteil, indem ich gereist bin mal fotografiert. Ja, auch so kann man reisen. Demnaechst werde ich um die 40 Stunden in so einem Zug verbringen... Ach ja, gebettel wird dort natuerlich auch.

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Photos / videos of "Immer noch Bodh Gaya":

Eine 80 Meter hohe Buddha Statue. Ein kleiner See mit einer Buddha Statue in der Mitter und unzaehligen riesen Karpfen im Wasser. Der Bodhibaum. Unter dem Bodhibaum. Moenche verbeugen sich am Bodhibaum. Dabei legen sie sich ausgestreckt auf den Boden und richten sich wieder auf. Viele benutzen so etwas wie Lappen um aus den Holzplanken, die rund um den Baum verteilt sind, besser gleiten zu koennen. Auf dem Weg zur Hoehle. Buddha, ausgehungert, in der Hoehle. Auf dem Berg... ... [image] Der Schlafwagen im Zug nach Varanasi... ...
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