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Heute lag ein längerer Tag vor uns, denn da das Safariunternehmen zwar den Campingplatz um 130 km verlegt hatte, nicht aber den Reiseplan änderte, mussten wir spätestens um 8:00 Uhr auf der Piste sein (und mehr als eine Piste gab es hier ja auch nicht!).
Dafür bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf Afrikas Tierleben. Gordon erklärte uns, dass derjenige, der als erstes Springböcke sieht, eine Runde zahlen müsse. Und dass das jedesmal zu seinen Lasten ginge. So war es auch heute, wir hatten sie noch nicht entdeckt, aber Gordon schon längst! Sehr schöne Tiere, in den nächsten Wochen waren sie aber so oft zu sehen, dass wir nichtmehr jedesmal hielten. Das ist schon erstaunlich, dass ein scheinbar so karges Land solche Massen von Tieren ernährt.
Dann sahen wir noch Strauße und Oryx-Antilopen! Hier trauten sie sich nicht an die Straße oder konnten einfach nicht näher kommen, denn es gab überall Zäune. Ein Springbock war irgendwo wohl durch ein Loch gekommen und geriet in Panik, als wir uns näherten. Er versuchte immer und immer wieder über den Zaun zu springen - das schaffte er aber nicht. Uns bliebt nichts anderes übrig, als möglichst schnell vorbeizufahren und zu hoffen, dass er sich nicht allzu schwer verletzt hat bei seiner Flucht.
Eine bizarre Landschaft zog an uns vorbei, eine kilometerlange Wasserleitung neben der Straße, Brücken über Flüsse, die nicht vorhanden waren und Haltestellen einer Eisenbahn mitten im nichts. Ein riesiger Termitenhügel erregte unsere Aufmerksamkeit und wir hielten. Das Ding sah aus, wie ein großer Lehmofen, was es war, konnten wir nicht erkunden. Termiten jedenfalls nicht, die gibt es erst weiter nördlich. Einige Meter weiter hielt ein knallroter LKW mit Anhänger, aus dem sich etwa 30 Touristen ergossen. Es war das "rollende Hotel", ein Bus, der einen Anhänger mit winzigen Schlafkabinen hinter sich herzog. Er hatte ein Passauer Kennzeichen! Wir sind ihm noch öfter begegnet, unsere Strecke wird von vielen Anbietern "bedient".
Im "Seeheim Hotel", einem Gebäude, wie alles hier - mitten im Nichts - machten wir eine Kaffeepause gegen 10 Uhr. Ein "See" war aber weit und breit nicht...
Die Weiterfahrt war dann recht angenehm - Teerstraße. Schnurgerade, linker Hand Eisenbahngleise, eine Wasserleitung und Strommasten. Als wir uns Lüderitz näherten geschah seltsames... Normalerweise ist der Boden des Land Rovers ziemlich heiß, nicht angenehm, seine Füße darauf zu stellen und wenn man eine Wasserflasche längere Zeit direkt darauf herumrollen lässt, kann man irgendwann einen Tee damit aufbrühen. Irgendwann wurden die Füße aber plötzlich richtig kalt... Und als ich das Fenster einen Spalt weit aufmachte kam es mir vor, als wäre die (nicht vorhandene) Klimaanlage aktiviert worden. Es war (vergleichsweise) arschkalt draußen, vielleicht 20°C oder so. Wir näherten uns dem Atlantik, an dessen Küste der Benguela-Strom vorbeizieht und dass dieser furchtbar kalt ist, dass hatte ich ja schon beim Tauchen in Kapstadt mitbekommen.
Auch der Wind nahm deutlich zu, Sand wurde über die Straße geblasen und an mindestens zwei Stellen waren Bagger und Grader damit beschäftigt, die Dünen schonmal profilaktisch von einer Straßenseite auf die andere zu verlegen, ehe diese sich selbständig ihren Weg suchen würde.
Lüderitz war seltsam. Wir realisierten das erstmal nicht, denn wir waren in ziemlicher Eile, um 14:30 Uhr erst kamen wir an und um 15 Uhr sollte eine Führung außerhalb der Stadt losgehen. Das Klima ist wirklich kaum zu beschreiben, man kann es vielleicht am ehesten auf den Bildern der Waterfront erahnen: Die Sonne brennt erbarmungslos von einem wolkenlosen Himmel herunter, der kühle Wind vom Meer sorgt aber nicht nur für Erfrischung, es ist richtig kalt! Trotz unserer Eile gönnte uns Gordon ein verspätetes Mittagessen in einem vorzüglichen Fischrestaurant. Mit etlicher Verzögerung brachen wir gegen 15:20 Uhr auf.
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